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Im Dialog mit dem Bestand
Erweiterung des Amtsgerichts Freiburg von Auer Weber
Mitten in der historischen Altstadt Freiburgs erweitert ein Neubau von Auer Weber das über Jahrzehnte gewachsene Ensemble des Amtsgerichts. Der kompakte Baukörper fügt sich in den Innenhof der denkmalgeschützten Blockrandbebauung ein, verbindet die bestehenden Flügel und schafft einen neuen zentralen Empfangs- und Erschließungsbereich.
Material, Farbe und Maßstab nehmen Bezug auf den Bestand. Tief eingeschnittene Fensteröffnungen, eine grobe porphyrrote Putzoberfläche und sorgfältig ausgearbeitete Details machen den Neubau dennoch als Bau des 21. Jahrhunderts erkennbar.
Weiterbauen im historischen Kontext
Mitte des 19. Jahrhunderts entstand am Holzmarkt in Freiburg ein Bezirksstrafgericht, das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach erweitert wurde. Den 2015 ausgelobten Wettbewerb gewann Auer Weber. Ihr Neubau ersetzt drei Gebäude im rückwärtigen Hof.
Ein viergeschossiger Hauptbaukörper und zwei niedrigere Gebäudeteile verbinden die vorhandenen Flügel. Der neue Haupteingang liegt geschützt im Innenhof und führt in einen zentralen Empfangsbereich. Maßstab, Farbe und Material stellen Bezüge zum historischen Ensemble her, die Straßenansicht bleibt weitgehend unverändert.
Die Entwurfsidee bleibt
Im Wettbewerbsentwurf war eine Fassade aus eingefärbten Betonfertigteilen vorgesehen. Kostendruck und die beengte Baustelle führten zur Suche nach einer Alternative. Bleiben sollte die zentrale Idee: ein Baukörper, der massiv und schützend wirkt und sich mit großen zusammenhängenden Flächen zeigt.
Die Lösung war eine vorgehängte hinterlüftete Putzfassade mit StoVentec R. Ihre Trägerplatten machten die tiefen, wechselseitig um 18 Grad abgeschrägten Laibungen möglich, die Putzoberfläche große fugenlose Flächen. Damit wurde der Wechsel des Fassadensystems nicht zum Bruch mit dem Entwurf, sondern zum Werkzeug für seine Realisierung.
Auer Weber Assoziierte
Wie aus einem Guss
Putz, Fensterprofile und -bleche, Raffstores, Attika und Sockel haben alle denselben Farbton: ein Porphyrrot, das die historischen Fenstergewände des Bestands aufnimmt. Dazu kommt die grobe Putzstruktur. So wirkt der Neubau wie aus einem Guss.
Konstruktive Weitsicht
Auch konstruktiv wurde die Fassade mit Blick auf ihre langfristige Nutzung geplant. Hinter der Putzoberfläche liegt eine 30 Zentimeter starke Mineralwolldämmung. Edelstahl-Wandhalter und thermische Trennelemente reduzieren Wärmeverluste über die Unterkonstruktion. Die Hinterlüftung reguliert zugleich die Feuchte und hält die Putzflächen über lange Zeit schadensfrei. Bei einem späteren Rückbau lassen sich Putzaufbau, Metallfraktionen und Dämmung voneinander trennen.
"Am Ende geht es nicht um die Technik als solche. Wir bauen ja nicht ein Gebäude um eine Technik, sondern wir brauchen bestimmte Techniken, damit das Gebäude gut funktioniert."
Toni Felber, Auer Weber, Stuttgart / München, DE
Bautafel
- Land
- Deutschland
- Stadt
- Freiburg
- Fertigstellung
- 2024
- Architekt
- Auer Weber Assoziierte, Stuttgart, DE
- Bauherr
- Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Stuttgart, DE
- Ausführung
- Hermann Emter GmbH, Freiburg, DE
- Produkte
- Vorgehängtes hinterlüftetes Fassadensystem (StoVentec R), Putzoberfläche (StoSignature Texture: Rough 10), Farbton Porphyrrot / 32332
- Fotos
- Roland Halbe, Stuttgart, DE
![Collage aus Titelseite und Innenseiten der [ark] Case Study zur Erweiterung des Amtsgerichts Freiburg](https://a.storyblok.com/f/273181/2400x1600/aea106ef3e/amtsgericht-freiburg-ark-insights-collage-cta-en-2400x1600px.png/m/300x0/filters:format(webp):quality(80))